Bielefelder setzen Zeichen für Menschen in Not

By | 1. Juni 2020

Religionsgemeinschaften werben für das Solidarpaket der Solidarischen Corona-Hilfe.

Bielefeld. „Wo Menschen in Not sind, haben wir ein gemeinsames Interesse“, betont Irith Michelsohn von der Jüdischen Kultusgemeinde. Auch Superintendent Christian Bald hält das Solidarpaket der Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut für eine gute Möglichkeit, „an dieser Stelle solidarisch zu sein.“ Ideengeber Franz Schaible berichtet, dass bislang bereits 2.072 Solidarpakete verteilt worden sind – an Menschen, die sich aufgrund der Corona-Krise in einer finanziellen Notlage befinden.

20 Euro für Lebensmittel

Seit April verschenkt das Bündnis der Bielefelder Tische und Tafeln Gutscheine über 20 Euro für Lebensmittel oder Drogerieartikel. „Wir erhalten Spenden und geben diese in Form von Solidarpaketen weiter“, berichtet Schaible. Damit die Aktion weitergehen könne, freue er sich besonders, dass nun die Religionsgemeinschaften mit an Bord seien. Anfragen gebe es viele. Weitere Spenden seien nötig.

„Wenn wir in so einer Situation nicht zusammen stehen, ist unsere Religion nichts wert“, sagt Michelsohn. Auch für Amin Alich, der das Bündnis Islamischer Gemeinden vertritt, ist Hilfe in dieser Situation selbstverständlich. „Gemeinsam sind wir stärker“, sagt Alich und erzählt, dass die Gemeinden täglich 180 bis 200 Essen an Bedürftige verteilen. Darunter seien bis zu 80 Menschen, die nicht dem muslimischen Glauben angehören würden.

Für Norbert Nacke vom katholischen Dekanat ist Solidarität mit den Schwachen eine Herzensangelegenheit. „Der Glaube sollte nicht nur auf Gottesdienste beschränkt sein.“ Sozialpfarrer Matthias Bomeier will mit der Unterstützung auch ein „Zeichen der Barmherzigkeit“ setzen. Es sei wichtig, Familien mit geringem Einkommen zu unterstützen. Der Solidarpakt sei zur richtigen Zeit gekommen. Als langfristiges Ziel müsste der Hartz4-Satz erhöht werden.

„Ich bin glücklich, dass ihr alle zusammen gekommen seid, um für Nächstenliebe in unserer gemeinsamen Religion zu werben“, sagt Schaible. In Not zu helfen sei eine „uralte Tradition.“ Das Bündnis wünscht sich, dass auch Gemeinden in Nachbarkommunen ein ähnliches Modell ins Leben rufen. Irith Michelsohn appelliert: „Auch wenn Corona vorbei ist, dürfen wir die Bedürftigen nicht vergessen.“ Infos unter: www.solidarpaket.de

NW, 01.06.2020